Bei einem Kundentermin in einem Tech-Startup stehe ich letztens in der Empfangslobby und warte auf meinen Kaffee. Ein paar Meter entfernt von mir unterhalten sich zwei Mitarbeiterinnen angeregt.
„Na super, jetzt lädt uns das Management also nach Mallorca ein. Business-Trip im Luxus-Style! Aber weißt du, was ich wirklich bräuchte? Einfach mal ein ehrliches ‚Danke‘. Oder dass man uns hier im Alltag ernst nimmt… Das würde nichts kosten – aber scheint unerreichbar.“
Diese Unterhaltung zeigt ein zentrales Problem: Eine Workation kann für das Team eine tolle Erfahrung sein – oder einfach nur ein teurer Versuch, die Unternehmenskultur zu verbessern, ohne die eigentlichen Themen anzugehen. Eine schöne Reise allein bringt noch keinen besseren Teamzusammenhalt.
Damit eine Workation mehr ist als nur ein gemeinsamer Aufenthalt an einem schönen Ort, braucht es eine gute Planung und klare Ziele. Hier sind elf praxisnahe Tipps, wie eine Workation wirklich zur Teamentwicklung beitragen kann.
Davor aber sieh Dir aber unbedingt noch unser Fun Video zum Thema Workation an (abonniere auch gerne unseren YT Kanal)
Der Ort ist nicht das Wichtigste
Es muss nicht immer eine Reise in ferne Länder sein. Viel wichtiger ist, dass das Team wirklich aus dem Alltag herauskommt. Schon ein Ort, der weit genug entfernt ist, damit niemand nach Hause pendeln kann, reicht oft aus.
Je aufwendiger die Anreise, desto größer der Planungsaufwand und der Stress. Statt sich auf die Organisation einer exotischen Destination zu konzentrieren, sollte das eigentliche Ziel im Mittelpunkt stehen: Zusammenhalt und Teamgeist stärken.
Gemeinsame Aktivitäten als Einstieg
Der erste Programmpunkt einer Workation sollte immer eine gemeinsame Aktivität sein, die den Austausch fördert. Ob gemeinsames Kochen, eine kleine Wanderung oder ein Spieleabend – wichtig ist, dass das Team entspannt ins Gespräch kommt.
Ein guter Start entscheidet oft darüber, wie offen die Mitarbeiter:innen in den kommenden Tagen miteinander umgehen. Wer bereits eine lockere Atmosphäre geschaffen hat, wird auch in späteren Diskussionen offener sprechen.
Erfolge zuerst – dann die Herausforderungen
Statt mit einer Problemanalyse zu beginnen, sollte der Fokus zunächst auf dem liegen, was gut funktioniert. Eine bewährte Methode ist Appreciative Inquiry: Dabei wird zu Beginn über positive Entwicklungen, Stärken und erfolgreiche Erlebnisse der letzten Zeit gesprochen.
Das sorgt für eine optimistische Grundhaltung und verhindert, dass das Treffen in eine reine Problemdebatte abgleitet. Es stärkt zudem das Bewusstsein dafür, was das Team bereits erreicht hat und welche Stärken ausgebaut werden können.
Diskussionen in Kleingruppen fördern ehrliche Gespräche
Nicht jede:r spricht in großen Runden offen. Gerade für introvertiertere Teammitglieder kann es schwierig sein, sich in einer Gruppe zu äußern. Deshalb lohnt es sich, bestimmte Themen in kleinen Gruppen von zwei bis drei Personen zu besprechen.
Mögliche Fragen für diese Kleingruppen sind:
Was läuft im Unternehmen besonders gut?
Welche Herausforderungen oder Hindernisse gibt es aktuell?
Wenn du morgen die Geschäftsführung übernehmen würdest: Was würdest Du als erstes ändern?
Diese Fragen regen dazu an, ehrlich über die Unternehmenskultur und Arbeitsweise nachzudenken, ohne dass sich jemand bloßgestellt fühlt.
Gemeinsame Reflexion der Ergebnisse
Die Erkenntnisse aus den Kleingruppen sollten anschließend in der großen Runde besprochen werden. Hier ist es wichtig, dass auch die Unternehmensführung ihre eigenen Gedanken einbringt.
Neben den Themen, die von den Mitarbeiter:innen eingebracht wurden, können hier auch größere strategische Fragen oder die nächsten Meilensteine besprochen werden. Die Workation sollte nicht nur eine Reflexion des Status quo sein, sondern auch einen klaren Blick auf die Zukunft ermöglichen.
Klare Ziele setzen – für das Team und individuell
Damit die Workation nachhaltige Ergebnisse liefert, sollten klare Ziele definiert werden. Das betrifft nicht nur die Zusammenarbeit im Team, sondern auch persönliche Entwicklungsschritte.
Teamziele könnten etwa sein:
Wie sieht die Zusammenarbeit optimalerweise in unserem Team aus?
Wodurch könne wir unsere Zusammenarbeit im Alltag verbessern?
Welche konkreten Maßnahmen setzen wir in den nächsten Monaten um? In welcher Reihenfolge? Wer macht was? Wie?
Zusätzlich sollte jede:r Teilnehmer:in 1-2 persönliche, individuelle Ziele formulieren, die in der Verantwortung jeder einzelnen Person liegen. Das könnte in etwa sein:
„Ich suche mir in den nächsten 4 Wochen meine persönliche Weiterbildungsmaßnahme aus“ oder
„Ich mache ab nächster Woche 2x pro Woche Sport, um ausgeglichener zu sein.“
Diese persönlichen Ziele schaffen eine zusätzliche Motivation und sorgen dafür, dass jede:r Einzelne von der Workation profitiert.
Mehr Pausen als im Arbeitsalltag einplanen
Eine Workation ist keine gewöhnliche Arbeitswoche. Wenn das Programm durchgetaktet ist wie ein typischer Bürotag, geht der eigentliche Nutzen verloren. Deshalb sollten bewusst längere Pausen eingeplant werden – sei es für einen gemeinsamen Spaziergang, ein entspanntes Mittagessen oder einen gemütlichen Abend in der Bar.
Gerade in diesen informellen Momenten entstehen oft die wertvollsten Gespräche, die den Teamzusammenhalt stärken.
Platz für Einzelgespräche schaffen
Nicht jede:r fühlt sich wohl, vor der ganzen Gruppe persönliche Gedanken zu teilen. Deshalb sollte die Möglichkeit für Einzelgespräche gegeben sein. Wer das Gefühl hat, gehört zu werden, wird langfristig motivierter und engagierter arbeiten.
Auch stillere Teammitglieder sollten gezielt eingebunden werden – etwa durch direkte Fragen in Kleingruppen oder individuelle Gespräche.
Einen schriftlichen Aktionsplan erstellen
Viele gute Ideen verpuffen, wenn sie nicht klar festgehalten werden. Deshalb sollte am Ende der Workation ein konkreter Aktionsplan erstellt werden, der für alle sichtbar ist.
Das kann eine einfache To-Do-Liste sein, die in einem Team-Tool wie Trello oder Asana erfasst wird. Wichtig ist, dass jede Maßnahme eine verantwortliche Person und eine Deadline hat. Nur so bleibt das Erarbeitete nicht nur eine nette Erinnerung, sondern wird auch umgesetzt.
Abschluss mit einer Reflexion
Bevor die Workation endet, sollte noch einmal bewusst zurückgeblickt werden. Eine einfache, aber wirkungsvolle Abschlussfrage könnte sein:
„Wenn wir das noch einmal machen – was würden wir anders machen?“
Diese Reflexion hilft, zukünftige Team-Retreats noch besser zu gestalten und aus den Erfahrungen zu lernen.
Technische Infrastruktur sicherstellen
Eine stabile und schnelle Internetverbindung ist das Rückgrat jeder erfolgreichen Workation. Vorab sollte geprüft werden, ob am gewählten Standort eine zuverlässige Internetverbindung verfügbar ist. In ländlichen oder abgelegenen Regionen kann es sinnvoll sein, einen mobilen Hotspot oder einen LTE-Router als Backup-Lösung in Betracht zu ziehen.
Fazit: Eine gut geplante Workation bringt echten Mehrwert
Eine Workation kann eine große Bereicherung für die Teamkultur sein – oder einfach nur ein teurer Betriebsausflug ohne nachhaltigen Effekt. Der Unterschied liegt in der Vorbereitung und Umsetzung.
Mit klaren Zielen, durchdachten Diskussionen und genügend Raum für persönliche Begegnungen kann eine Workation dazu beitragen, dass das Team enger zusammenwächst und langfristig erfolgreicher arbeitet.
Sind Workations gut geplant und finden regelmäßig statt, leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Mitarbeiter:innenbindung. Einige weitere kreative Ideen findest Du in diesem Beitrag.
Selbstredend, dass die Reise- Unterbringungs- und Verpflegungskosten als Aufwand verbucht werden können und somit steuerlich absetzbar sind. Eh klar, oder?